02.04.19

Wie Rezyklat Verpackungen ein neues Leben schenkt

Rezyklat: Er mag ein etwas ungelenker Begriff sein und ein technischer dazu. Aber hinter ihm verbirgt sich ein bedeutender Beitrag für Mensch und Natur. Und wir werden sicher noch viel von ihm hören. Denn Kunststoffrezyklate sind recycelte Rohstoffe. Sie sind es, die Verpackungen und anderen Kunststoffprodukten ein neues Leben schenken.

© Quality Circular Polymers

Die Shampooflasche, der Joghurtbecher, die Zahnpastatube: Viele Verpackungen aus Kunststoff werden wiedergeboren. Nach ihrem ersten Leben gelangen sie in die Gelbe Tonne oder in den Gelben Sack. Und genau dort beginnt ihr neues Leben. Erst werden sie gesammelt, dann sortiert und daraufhin zu verwertbarem Kunststoffgranulat verarbeitet – zu sogenannten  Rezyklaten, recycelten Kunststoffen. Diese Recyclingrohstoffe sind das Material, aus denen Produktionsbetriebe nicht nur neue Verpackungen, sondern auch Haushaltsartikel, Autoteile, Rohre, Transportboxen oder ähnliche Artikel herstellen.

Von PET bis HDPE: Was bedeuten die Abkürzungen?

PE, PET oder PP: Viele kennen diese Abkürzungen. Doch was bedeuten sie? Es gibt verschiedene Arten von Kunststoffen – für Verpackungen werden nur wenige Sorten eingesetzt. Eine davon ist Polyethylen, kurz PE, ein thermoplastischer Kunststoff, der unter bestimmten Temperaturen formbar ist. Je nach Herstellung kann PE auch mit hoher Dichte (HDPE, High Density Polyethylen) oder mit einer geringen Dichte (LDPE, Low Density Polyethylen) erzeugt werden.

Polyethylenterephthalat (PET) wiederum zählt zur Gattung der Polyester und ist vor allem in Ein- und Mehrwegflaschen enthalten. Auch Schalen, Becher, Kochbeutel und Vakuumverpackungen bestehen aus PET. Ein eher junger Kunststoff ist Polypropylen (PP). Im Vergleich zu Polyethylen (PE) ist er sehr fest und hitzeresistent – und wird häufig wegen seiner Widerstandsfähigkeit gegenüber Fett und Feuchtigkeit in Lebensmittelverpackungen verwendet. Auch entwickeln Hersteller Gefäße für die Mikrowelle oder Flaschenverschlüsse aus PP.

Verpackungsrecycling spart in Deutschland jährlich 3,1 Mio. Tonnen CO2

Unabhängig davon, welcher Kunststoff recycelt wird: Die Wiederverwertung von PE, HDPE und Co. hat eine bedeutende Rolle für den Klimaschutz. Denn der Einsatz von Recyclingkunststoffen reduziert den Ausstoß von CO2, spart Primärrohstoffe und schont damit die Umwelt. Produzieren Hersteller ihre Ware aus gebrauchten Kunststoffen, kommen sie ohne den sonst eminent wichtigen Rohstoff Erdöl aus. Sie benötigen auch weniger Energie als bei der Produktion von Neuware. Und: CO2 wird reduziert. Das Öko-Institut hat in einer Studie festgestellt, dass die Verbraucher gemeinsam mit den dualen Systemen in Deutschland die Umwelt um 1,9 Millionen Tonnen CO2 entlasten – allein dadurch, dass sie Kunststoffe, Metalle und andere Leichtverpackungen getrennt sammeln und verwerten. Zusätzlich gut 1,15 Millionen Tonnen CO2 werden vermieden, indem Glas und Verpackungspapier separat entsorgt und verwertet werden. In Summe bedeutet das rund 3,1 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr weniger. Recycling ist damit ein echter Beitrag, um der Klimakrise entgegenzuwirken1.

In Deutschland wurden 2017 knapp 4 Millionen Tonnen Kunststoffe zu Verpackungen verarbeitet2. Aus rund 40 Prozent davon wurden Verkaufsverpackungen produziert, die nach ihrem ersten Leben im Gelben Sack oder in der Gelben Tonne entsorgt werden sollten3. Der andere Teil der Kunststoffmenge ist für die Produktion von Pfand-Flaschen aus PET sowie für Industrie- und Gewerbefolien genutzt worden. Knapp 3 der 4 Millionen Tonnen sind nach dem Gebrauch in Deutschland wieder als Abfall angefallen. Zur Wiederverwendung kommen knapp 1,9 Millionen Tonnen Kunststoffrezyklat für neue Produkte oder Verpackungen.

Das Verpackungsgesetz gibt Kunststoffrezyklaten Rückenwind

Auch wenn einige Unternehmen bereits nachhaltig arbeiten und Recyclingrohstoffe in ihren Produkten und Verpackungen verwenden, werden die Recyclingquoten in den kommenden Jahren steigen und es wird noch mehr Rezyklat zum Einsatz kommen müssen. Das ist gesetzlich festgelegt. Anfang 2019 trat das Verpackungsgesetz in Kraft. Das besagt, dass mehr als jede zweite Kunststoffverpackung (58,5 Prozent) recycelt werden soll. Bis 2022 soll die Recyclingquote sogar auf 63 Prozent steigen. Die erhöhten Recyclingquoten werden dafür sorgen, dass deutlich mehr Kunststoffverpackungen über den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne gesammelt, sortiert und recycelt werden müssen. Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2022 bis zu eine Million Tonnen Kunststoffrezyklate allein aus dem Gelben Sack oder der Gelben Tonne wieder eingesetzt werden können.

Um dieses Ziel zu erreichen, setzt das Verpackungsgesetz Anreize: So sollen Hersteller künftig weniger Entgelte für die Entsorgung und das Recycling einer Verpackung bezahlen, wenn sie stärker auf wiederverwertbare Kunststoffe bei der Produktion setzen.

Fast alles wird in Europa recycelt

Mehr als 95 Prozent der Verpackungsabfälle aus dem Gelben Sack oder der Gelben Tonne werden in Deutschland und anderen EU-Staaten sortiert und verwertet – der mit Abstand größte Teil. Der Export in asiatische Länder ist eine Ausnahme. Die exportierten Verpackungsmengen liegen im unteren einstelligen Prozentbereich, mit rückläufiger Tendenz. Unabhängig davon, wo Verpackungen aus dem Gelben Sack oder der Gelben Tonne sortiert und verwertet werden, müssen sich Anlagenbetreiber nach deutschen Richtlinien zertifizieren lassen und festgeschriebene Standards beim Recycling einhalten.

1 Öko-Institut e.V. (2016): Recycling ist Zukunft – ökologische Leistungen und Potenziale des dualen Systems

2 Conversio (2018): Stoffstrombild Kunststoffe in Deutschland 20173 GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (2018): Aufkommen und Verwertung von Verpackungsabfällen in Deutschland im Jahr 2016

3 GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (2018): Aufkommen und Verwertung von Verpackungsabfällen in Deutschland im Jahr 2016