02.04.19

Warum ist er so dünn? Sechs Fragen zum Gelben Sack

Es ist 1991, als sich in Deutschland das erste Mal ein Gelber Sack mit Dosen, Bechern und anderen Verpackungen füllt, die nicht aus Papier, Pappe, Karton oder Glas sind. Seitdem ist er ein verlässlicher Mitarbeiter des deutschen Recyclingsystems. Doch manches Rätsel über den Gelben Sack beschäftigt die Deutschen bis heute. Sechs Fragen zum gelben Helfer.

© iStock by Getty Images / Kerrick

Wer hat sich eigentlich für die Farbe Gelb entschieden?

Bei uns hat jede Art von Abfall seine Tonne. Und davon hat jede ihre eigene Farbe: in der Regel blau für Papier/Pappe/Karton, schwarz für Restmüll oder braun für Bioabfall. Auch Glas trennen wir nach Farben. Und gebrauchte Leichtverpackungen, etwa aus Kunststoff, Alu, Weißblech oder aus verschiedenen Materialien zusammengesetzte Verbunde? Die kommen in den Gelben Sack. Oder in die Gelbe Tonne. Wer genau über die Farbe bestimmt hat, ist leider nicht bekannt. Doch so viel ist klar: Sie sollte mit der Einführung der Wertstofferfassung 1991 einen aufmerksamkeitsstarken farblichen Kontrast zur schwarzen Restmülltonne setzen und zeigen, dass eine neue Zeit im Umgang mit Abfällen eingeläutet wurde. Diese Signalwirkung erfüllt sie bis heute.

Warum ist der Gelbe Sack so dünn?

Auf den vorderen Plätzen der beliebtesten Gelbe-Sack-Fragen liegt die nach dem Material: Warum ist das Plastik des Gelben Sacks nicht dicker? Herr über diese Frage sind die dualen Systeme in Deutschland. Sie bestimmen darüber, wie genau die Säcke beschaffen sind. Die Vorgaben richten sich nach dem Mini-Max-Prinzip, das besagt: So wenig Material wie nötig, für so viele Verpackungen wie möglich. Schließlich ist der Gelbe Sack nur für leichte Verpackungsabfälle wie Joghurtbecher, Konservendosen, Aluschalen und Getränkekartons gedacht. Schwerere Abfälle wie Spielzeug oder Bratpfannen darf er gar nicht schlucken, denn das sind ja keine Verpackungen. Ein weiterer Vorteil des dünnen Sackmaterials: Es ist transparent und macht es einfacher, zu erkennen, wenn er zweckentfremdet wurde. Die Mitarbeiter der Müllabfuhr können auf den ersten Blick sehen, ob ein Gelber Sack korrekt befüllt wurde oder nicht.

Was ist der Unterschied zwischen Wertstofftonne und Gelber Tonne?

In manchen Städten oder Gemeinden stehen Wertstofftonnen oder -säcke zur Entsorgung bereit. Sie ersetzen die Gelben Tonnen beziehungsweise die Gelben Säcke, sind aber üblicherweise für denselben Verpackungsabfall bestimmt. Allerdings dürfen die Verbraucherinnen und Verbraucher zusätzlich auch die sogenannten „stoffgleichen Nichtverpackungen“ dort hineinwerfen – also die leckende Gießkanne oder alte Kochtöpfe. Die Kosten dafür tragen allerdings nicht die dualen Systeme, sondern die jeweiligen Kommunen.

Muss ich meinen Joghurtbecher auswaschen?

Der Joghurtbecher in den Geschirrspüler? Das wäre übertrieben. Selbst wenn er nicht von innen glänzt, ist der Becher im Gelben Sack gut aufgehoben. Die Nicht-perfekt-sauber-Klausel gilt auch für andere Verpackungen. Hauptsache es sind keine groben Reste in den Tetra-Paks oder Plastikbechern. Die Faustregel heißt: Reste raus. Am besten also aufessen oder austrinken. Und falls auch umfüllen nicht hilft: Flüssigkeiten weggießen und Lebensmittelreste in den Bio-Müll. Wichtig ist es jedoch, den Deckel und – wenn vorhanden – auch die Papierummantelung beim Joghurtbecher vor dem Einwurf komplett abzutrennen und gesondert zu entsorgen: Aluminiumdeckel und Kunststoffbecher in den Gelben Sack oder in die Gelbe Tonne, Ummantelung in die Papiertonne. Das gilt auch für andere Verpackungskombinationen wie etwa bei durchsichtigen Käseverpackungen, deren durchsichtige Abdeckfolie aus anderem Kunststoff besteht als die ebenfalls durchsichtige Schale. Nur so kann die Sortieranlage sicherstellen, dass die Materialien nicht verunreinigt und getrennt dem Recycling bereitgestellt werden.

Muss der Grüne Punkt auf der Verpackung sein?

Nein, eine Kennzeichnungspflicht der Verpackungen mit dem Grünen Punkt besteht in Deutschland nicht. Der Grüne Punkt ist lediglich das Markenzeichen eines der insgesamt acht dualen Systeme, die sich in Deutschland um die Erfassung, Sortierung und Verwertung von Verpackungen kümmern. Auch ohne Grünen Punkt gehören Dosen, Tetra-Paks und Co in den Gelben Sack oder in die Gelbe Tonne, damit sie recycelt werden können.

Was passiert mit dem Müll?

Dosen, Plastikbecher und -flaschen, sowie andere Leichtverpackungen machen sich im Sammelfahrzeug auf den Weg in die Sortieranlage. Dort kommt modernste Technik zum Einsatz. Sackaufreißer, Trommelsiebe, Infrarot-Scanner und Wirbelstromscheider trennen die Verpackungen nach Material und sortieren sie. Der Kunststoff wird auch nach Kunststoffart getrennt. Das ist wichtig fürs Recycling, denn nur so können die gewonnenen Wertstoffe aus dem Gelben Sack oder der Gelben Tonne wieder zu neuen Produkten mit hoher Qualität werden. Recycelte Kunststoffe dienen dann als neue Verpackung, etwa für Reinigungsmittel und Haushaltsprodukte, oder für die Herstellung von Fleecejacken – oder sie werden zu Bodenbelägen oder Rohren für den Gartenbau oder das Bauhandwerk verarbeitet. Bei einem Teil der Kunststoffabfälle reicht die Qualität fürs Recycling nicht aus. Deswegen werden diese energetisch genutzt – etwa als Brennstoff in Zementwerken. Damit wird fossiler Brennstoff wie Öl oder Kohle ersetzt – auch das ist ökologisch wertvoll.